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Politik&Finanzen > Wahlen > Der arrogante Stratege
  Dortmund, 24.09.2008
  Der arrogante Stratege: Langemeyers letzter Schachzug?
  Gewöhnlich löst Oberbürgermeister Gerhard Langemeyer Probleme, indem er sie "aussitzt", diesmal blieb ihm jedoch nur eine Nacht Zeit: SPD-Unterbezirksvorsitzender Franz-Josef Drabig und SPD-Fraktionschef Ernst Prüsse hatten ihn mit der Nachricht, den derzeitigen Kulturdezernenten Jörg Stüdemann als Gegenkandidaten für den Nominierungsparteitag der SPD am 29. November aufzustellen derart überrascht, dass er sich 24 Stunden Bedenkzeit ausbitten musste. Zumal die beiden Parteibosse unüberhörbar hinzugefügt hatten, dass sie sich dafür einsetzen wollten, dass es nicht zu einer Kampfabstimmung zwischen Langemeyer und Stüdemann kommen wird. Im Klartext: Der Kandidat für den 29. November heißt Jörg Stüdemann.

Doch Stratege Langemeyer löste das Problem: Er entband Stadtrat Ullrich Sierau von dessen Solidaritätsschwur, nicht gegen seinen Chef Langemeyer anzutreten und legte damit die Grundlage für eine Lösung, die seine abermals düpierten Genossen Drabig und Prüsse und zähneknirschend auch der erst am Vortag nominierte Stüdemann gehorsam als „Königsweg" lobten: Nicht nur er, Langemeyer, und Stüdemann sollten sich als OB-Kandidaten zur Wahl stellen, sondern auch Sierau solle seinen Hut in den Ring werfen. Im Kalkül des machtbesessenen Langemeyer: Wenn drei sich streiten, kann das nur zu meinen Gunsten ausgehen.

Der „Westfälischen Rundschau" sagte er denn auch in gewohnter Arroganz: „Ich habe keinen Wahlkampf nötig. Ich bin bekannt. Die Basis weiß mich einzuschätzen."

Das könnte möglich sein, doch welchen Tort er damit sich und seiner Partei antun würde, zeichnet sich in einer Umfrage ab, die das Bürgerforum Phoenix am 26. September im dritten Dortmund-Barometer veröffentlicht hat. Das Meinungsforschungsinstitut FORSA hat im Auftrag des Bürgerforums ermittelt, dass - würden die Dortmunder nicht erst im Juni 2009, sondern schon jetzt wählen - nur noch 27% der Wahlberechtigten für eine neue Kandidatur Langemeyers sind, im Juni und im März waren es noch 37%.

Wird sich die SPD auf dieses Risiko einlassen und im Gefolge einer Langemeyer-Niederlage zum ersten Mal die Macht im Rathaus verlieren?

Vielleicht könnte es Langemeyers letzter Schachzug gewesen sein.


6. Februar 2012
Wahre Worte

"Der Haushalt ist der beste, in dem man nichts Überflüssiges will, nichts Notwendiges entbehrt."

Plutarch (um 46 n. Chr.-um 120), griech. Philosoph