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Politik&Finanzen > Politik und Finanzen > Das Jahr 2007 > Stadt-Marketing
  Dortmund, 17.07.2008
  Stadt-Marketing - dringend gebraucht
  Der Oberbürgermeister hält es für überflüssig, die CDU will es nun erfinden: Das Marketing für Dortmund. Wie es aussehen könnte, steht allerdings in den Sternen.

Oberbürgermeister Gerhard Langemeyer bleibt hart in seinem Widerstreit mit den Marketing-Experten: Alles Teufelszeug, brauchen wir nicht, denn wir sind gut, und was gut ist, spricht sich von selbst herum. Die CDU-Ratsfraktion setzte bei ihrem „Westfälischen Nachmittag" das Thema auf die Tagesordnung und ließ Hartmut H. Holzmüller, Inhaber des Lehrstuhls für Marketing an der Technischen Universität Dortmund, referieren: „Professionelles Marketing für die Stadt und die Region". Herausgekommen ist freilich nichts - außer Bier und Schnittchen nichts gewesen. Bei einem Altersschnitt der 250 Zuhörer von über 60.

Dabei braucht Dortmund genau das, was Holzmüller nur in Gemeinplätzen umkreiste: Ein Marketing, das die Stadt mit positiven Botschaften zurückbringt auf die Landkarte. Derzeit ist von Dortmund nur die Rede, wenn es um die letzten Plätze in den unterschiedlichsten Rankings geht, so zum Beispiel im Kaufkraftranking von 396 Kommunen in NRW, unter denen Dortmund mit 16 880 Euro pro Einwohner einen erschütternden Platz 332 belegt.

Das wird sich nicht ändern, solange sich das Oberhaupt der Stadt als absolut resistent in Sachen Marketing erweist. Nicht einmal die Grundkomponente „Kommunikation", wie sie Holzmüller definierte, ist dem OB eingängig. So verweigerte er im Herbst 2007 dem Chef der Airline easyJet, Andy Harrison, ein Gespräch - und braucht sich nicht zu wundern, wenn nun der Billigflieger mit seinem Abflug den Dortmunder Flughafen in eine Krise gestürzt hat. Auch den privaten Krankenhausbetreibern gönnt Langemeyer keine Minute in seinem Terminkalender, obwohl sie letztendlich die einzigen sein werden, die das Klinikum vor dem endgültigen Absturz retten.

So muss sich Dortmund auf „Marketing-Raketen" wie die Loveparade verlassen, die Berlin als abgelegte Geliebte verlassen hat und nun der Welt beweisen soll, dass Dortmund zum Nabel der Welt geworden ist. Dass die meisten Teilnehmer der Loveparade in einem Bahnhof ankommen, der wahrlich nicht als Marketingsignal einer prosperierenden Stadt empfunden werden kann, steht auf einer anderen Seite.

Das Bürgerforum Phoenix meint: Marketing tut not, aber zuerst braucht es Voraussetzungen, auf denen sich die Botschaft gründen lässt.


19. Mai 2012
Wahre Worte

"Wer in der Öffentlichkeit Kegel schiebt, muss sich gefallen lassen, dass nachgezählt wird, wie viel er getroffen hat."

Kurt Tucholsky (1890-1935), dt. Schriftsteller