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Politik&Finanzen > Oberbürgermeister > Stadtmarketing
  Dortmund, 28.02.2008
  Nachhilfestunde für den OB in Sachen Marketing
  Ausgerechnet in der Höhle des Löwen entwickelte Oberbürgermeister Gerhard Langemeyer abstruse Ideen über das Marketing für die Stadt Dortmund: Dortmund brauche kein Marketing, lehrte der OB die 300 Marketing-Profis, die in der TU Dortmund das zehnjährige Bestehen des Lehrstuhls für Marketing gefeiert haben, weil die erreichten Leistungen für sich sprächen.

Langemeyer reagierte mit seiner Marketing-These auf ein „Ruhr-Nachrichten"-Interview, in dem Prof. Dr. Hartmut H. Holzmüller, Inhaber des auch international hoch angesehenen Lehrstuhls für Marketing an der TU, erklärte hatte, Dortmund sei eine hässliche Stadt und erschließe sich erst auf den zweiten Blick: „Mit Kohle und Stahl ist die alte Identifikation weggebrochen. Aufgabe des Stadtmarketings müsste ein neuer Identifikationsaufbau sein. Die Profilbildung nach dem Strukturwandel ist in der Breite noch nicht angekommen."

Bernd M. Michael, einer der renommiertesten Markenprofis in Europa und bis 2006 Gesellschafter und Chairman der Grey Global Group, Middle East & Afrika, mit 294 Büros in 50 Ländern und 6600 Mitarbeitern sowie Herausgeber des 1800 Seiten starken „Werkbuch M wie Marke", verpasste Langemeyer in seiner Festrede eine verbale, gleichwohl schallende Ohrfeige. Marketing beginne bereits bei der Produktentwicklung, konterte er die OB-Theorie, und es sei Aufgabe der Politik, die Bürger frühzeitig zu fragen, welche „Produkte" sie sich von ihrer Stadt wünschen.

Mit seiner Kritik traf Michael den Oberbürgermeister genau an dieser Achillesferse.

Marketing-Experten haben Langemeyer in der Vergangenheit immer wieder den Vorwurf gemacht, er verstehe es nicht, die Stadt national und international ins Gespräch zu bringen, weil er seine Politik und Projekte autistisch verfolge, anstatt frühzeitig um Mehrheiten zu kämpfen.

Das Bürgerforum Phoenix hatte in seinem „Weißbuch Dortmund - Engagement für eine Stadt mit Zukunft" vor den Kommunalwahlen 2004 formuliert: „Dortmund ist im Wettbewerb der Städte von der Landkarte verschwunden. In den Rankings steht Dortmund immer öfter auf einem der letzten Plätze. Deshalb braucht die Stadt ein professionelles Marketing, damit positive Standortmerkmale im Wettbewerb gegen andere Städte wirksam werden können. Nur dann werden auch Investoren Gründe finden, sich für Dortmund zu entscheiden."

Passiert ist seither nichts - nur der Wettbewerb der Städte hat sich verschärft.


19. Mai 2012
Wahre Worte

"Wir sollten wählen, um regiert zu werden. Heute werden wir regiert, um zu wählen."

Theodor Eschenburg (1904-1999), dt. Politologe