| Ausgerechnet in der Höhle des Löwen entwickelte Oberbürgermeister Gerhard Langemeyer
abstruse Ideen über das Marketing für die Stadt Dortmund: Dortmund brauche kein Marketing, lehrte der OB die 300 Marketing-Profis, die in der TU Dortmund das zehnjährige Bestehen des Lehrstuhls für Marketing gefeiert haben, weil die erreichten Leistungen für sich sprächen.
Langemeyer reagierte mit seiner Marketing-These auf ein
„Ruhr-Nachrichten"-Interview, in dem Prof. Dr. Hartmut H. Holzmüller, Inhaber
des auch international hoch angesehenen Lehrstuhls für Marketing an der TU, erklärte hatte, Dortmund
sei eine hässliche Stadt und erschließe sich erst auf den zweiten Blick: „Mit
Kohle und Stahl ist die alte Identifikation weggebrochen. Aufgabe des
Stadtmarketings müsste ein neuer Identifikationsaufbau sein. Die Profilbildung
nach dem Strukturwandel ist in der Breite noch nicht angekommen."
Bernd M. Michael, einer der renommiertesten Markenprofis in
Europa und bis 2006 Gesellschafter und Chairman der Grey Global Group, Middle
East & Afrika, mit 294 Büros in 50 Ländern und 6600 Mitarbeitern sowie
Herausgeber des 1800 Seiten starken „Werkbuch M wie Marke", verpasste
Langemeyer in seiner Festrede eine verbale, gleichwohl schallende Ohrfeige.
Marketing beginne bereits bei der Produktentwicklung, konterte er die
OB-Theorie, und es sei Aufgabe der Politik, die Bürger frühzeitig zu fragen,
welche „Produkte" sie sich von ihrer Stadt wünschen.
Mit seiner Kritik traf Michael den Oberbürgermeister genau
an dieser Achillesferse.
Marketing-Experten haben Langemeyer in der Vergangenheit
immer wieder den Vorwurf gemacht, er verstehe es nicht, die Stadt national und
international ins Gespräch zu bringen, weil er seine Politik und Projekte
autistisch verfolge, anstatt frühzeitig um Mehrheiten zu kämpfen.
Das Bürgerforum Phoenix hatte in seinem „Weißbuch Dortmund -
Engagement für eine Stadt mit Zukunft" vor den Kommunalwahlen 2004 formuliert:
„Dortmund ist im Wettbewerb der Städte von der Landkarte verschwunden. In den
Rankings steht Dortmund immer öfter auf einem der letzten Plätze. Deshalb
braucht die Stadt ein professionelles Marketing, damit positive
Standortmerkmale im Wettbewerb gegen andere Städte wirksam werden können. Nur dann werden auch Investoren Gründe finden, sich für
Dortmund zu entscheiden."
Passiert ist seither nichts - nur der Wettbewerb der Städte
hat sich verschärft. |