| Oberbürgermeister Gerhard Langemeyer hat das Jahr 2007 offenbar nicht in Dortmund, sondern auf einem anderen Stern verbracht. Diesen Eindruck muss gewinnen, wer das Interview nachliest, das die "Ruhr-Nachrichten" in ihrer Ausgabe vom 11. Januar 2008 veröffentlicht haben. Obwohl 2007 ein Jahr der Pannen und Krisen war, hat es Langemeyer zum "Spitzenjahr" und sich selbst zum Sieger erklärt.
Der
Realitätssinn muss dem Dortmunder Oberbürgermeister in der Silvesternacht
abhanden gekommen sein - anders sind seine Antworten auf die Fragen der
„Ruhr-Nachrichten"-Redakteure Gaby Kolle und Oliver Volmerich nicht zu
erklären. Selbst die Frage, ob er bei den Kommunalwahlen 2009 (Wahlen) nochmals - als
dann 65-jähriger - für weitere sechs Jahre als Oberbürgermeister kandidieren
werde, macht er nicht mehr von der Entscheidung seiner Partei, der SPD,
abhängig, sondern sieht das als seine ganz persönliche Angelegenheit.
Das
Bürgerforum Phoenix hat den Aussagen von Langemeyer Realitäten gegenübergestellt. Die lesen sich anders als die Langemeyer'schen Nachrichten von seinem
eigenen Stern:
Bahnhofsneubau (3do):
Langemeyer: „Dass man so in der
Sackgasse steckt, kam für mich überraschend."
Bürgerforum:
Wieso überraschend? Die Stadt saß mit der Bahn und dem Investor Sonae Sierra selbst
am Verhandlungstisch, hat dabei allerdings viele handwerkliche Fehler gemacht. Es
reicht nicht aus, wenn die Stadt, wie Langemeyer im Interview erklärt, auf ein
Zeichen von der Bahn wartet. Sie sollte selbst die Initiative für ein
tragfähiges Konzept zum Bahnhofsneubau entwickeln oder privaten Investoren in
Zusammenarbeit mit der Bahn freie Hand geben.
Bargeldaffäre:
Langemeyer: „Hier gibt es eine
Täterin, die sich kriminell verhalten hat. Insofern bin ich Opfer und nicht
Täter."
Bürgerforum:
Langemeyer hat seinen eigenen Laden nicht im Griff. Ihre kriminelle Energie
konnte die Hauptbeschuldigte nutzen, weil ein System aus Sorglosigkeit,
Schlamperei und Selbstbedienungsmentalität ihre Taten ermöglicht hat. Im
Übrigen ist weiter offen, ob es sich nur um eine Einzeltäterin handelt. Mit
seiner Einzeltäter-These möchte Langemeyer von eigenen Versäumnissen ablenken.
Kandidatur 2009:
Langemeyer: „Die Frage werde ich
entscheiden, wenn sie dran ist."
Bürgerforum:
Diese Antwort gibt Langemeyer auf die Frage nach dem Rückhalt in der Partei und
seinen Chancen, von der SPD noch einmal aufgestellt zu werden. Das Votum der
Genossen scheint ihn nicht zu interessieren, die Parteiführung der Dortmunder
SPD erwähnt Langemeyer ausdrücklich nicht. Das ist eine neue Spitze gegen
seinen Intimfeind, SPD-Unterbezirkschef Franz-Josef Drabig. Im Zusammenhang mit
der von der rot-grünen Ratsmehrheit geforderten Förderungshöhe für die U-Turm-Sanierung
(80% von Land und EU) hatte Langemeyer Drabig der Lüge bezichtigt, diesen
Vorwurf später jedoch halberherzig zurückgenommen.
U-Turm:
Langemeyer: „Ich sehe das, was wir
jetzt als Ergebnis haben, das besser ist als das, was wir zu Anfang des Diskussionsprozesses
hatten."
Bürgerforum:
Um für sein Lieblingsprojekt von Land und EU Fördergelder zu bekommen, musste
Langemeyer weitgehende Zugeständnisse beim Konzept machen. Die Idee vom reinen
Museum ist vom Tisch und die wirtschaftliche Tragfähigkeit des geplanten
Kreativzentrums fraglich. Völlig offen sind die Folgekosten des U-Turms ab
2010, die auf jeden Fall die Stadt Dortmund übernehmen muss. Das Geld wird z.B.
bei der Schulsanierung und bei Integrationsmaßnahmen fehlen.
Verwaltungsreform 2020:
Langemeyer: „Es gibt da ein bewährtes
Prinzip der Abarbeitung und wir haben eine Dienstvereinbarung, die sagt: Es gibt keine betriebsbedingten
Kündigungen."
Bürgerforum: Mit dieser Garantie für die rund 9000 Beschäftigten der
Stadtverwaltung und deren Angehörigen verschafft sich Langemeyer eine sichere
Wählerbasis für die nächste Kommunalwahl, auch wenn die Betroffenen vorerst
verunsichert bleiben, denn eine Reform muss auch an die Personalressourcen
gehen. Langemeyers Garantie soll dazu beitragen, dass sich politisch in
Dortmund nichts ändert und die SPD-Lokalpolitiker ihre Fleischtöpfe in Form von
lukrativen Posten in städtischen Unternehmen bzw. bei städtischen Beteiligungen
behalten.
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