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Politik&Finanzen > Oberbürgermeister > Anderer Stern
  Dort, 11.01.2008
  OB Langemeyer über sein Leben auf einem anderen Stern
  Oberbürgermeister Gerhard Langemeyer hat das Jahr 2007 offenbar nicht in Dortmund, sondern auf einem anderen Stern verbracht. Diesen Eindruck muss gewinnen, wer das Interview nachliest, das die "Ruhr-Nachrichten" in ihrer Ausgabe vom 11. Januar 2008 veröffentlicht haben. Obwohl 2007 ein Jahr der Pannen und Krisen war, hat es Langemeyer zum "Spitzenjahr" und sich selbst zum Sieger erklärt.

Der Realitätssinn muss dem Dortmunder Oberbürgermeister in der Silvesternacht abhanden gekommen sein - anders sind seine Antworten auf die Fragen der „Ruhr-Nachrichten"-Redakteure Gaby Kolle und Oliver Volmerich nicht zu erklären. Selbst die Frage, ob er bei den Kommunalwahlen 2009 (Wahlen) nochmals - als dann 65-jähriger - für weitere sechs Jahre als Oberbürgermeister kandidieren werde, macht er nicht mehr von der Entscheidung seiner Partei, der SPD, abhängig, sondern sieht das als seine ganz persönliche Angelegenheit.

Das Bürgerforum Phoenix hat den Aussagen von Langemeyer Realitäten gegenübergestellt. Die lesen sich anders als die Langemeyer'schen Nachrichten von seinem eigenen Stern:

Bahnhofsneubau (3do):
Langemeyer: „Dass man so in der Sackgasse steckt, kam für mich überraschend."

Bürgerforum: Wieso überraschend? Die Stadt saß mit der Bahn und dem Investor Sonae Sierra selbst am Verhandlungstisch, hat dabei allerdings viele handwerkliche Fehler gemacht. Es reicht nicht aus, wenn die Stadt, wie Langemeyer im Interview erklärt, auf ein Zeichen von der Bahn wartet. Sie sollte selbst die Initiative für ein tragfähiges Konzept zum Bahnhofsneubau entwickeln oder privaten Investoren in Zusammenarbeit mit der Bahn freie Hand geben.

Bargeldaffäre:
Langemeyer: „Hier gibt es eine Täterin, die sich kriminell verhalten hat. Insofern bin ich Opfer und nicht Täter."

Bürgerforum: Langemeyer hat seinen eigenen Laden nicht im Griff. Ihre kriminelle Energie konnte die Hauptbeschuldigte nutzen, weil ein System aus Sorglosigkeit, Schlamperei und Selbstbedienungsmentalität ihre Taten ermöglicht hat. Im Übrigen ist weiter offen, ob es sich nur um eine Einzeltäterin handelt. Mit seiner Einzeltäter-These möchte Langemeyer von eigenen Versäumnissen ablenken.

Kandidatur 2009:
Langemeyer: „Die Frage werde ich entscheiden, wenn sie dran ist."

Bürgerforum: Diese Antwort gibt Langemeyer auf die Frage nach dem Rückhalt in der Partei und seinen Chancen, von der SPD noch einmal aufgestellt zu werden. Das Votum der Genossen scheint ihn nicht zu interessieren, die Parteiführung der Dortmunder SPD erwähnt Langemeyer ausdrücklich nicht. Das ist eine neue Spitze gegen seinen Intimfeind, SPD-Unterbezirkschef Franz-Josef Drabig. Im Zusammenhang mit der von der rot-grünen Ratsmehrheit geforderten Förderungshöhe für die U-Turm-Sanierung (80% von Land und EU) hatte Langemeyer Drabig der Lüge bezichtigt, diesen Vorwurf später jedoch halberherzig zurückgenommen.

U-Turm:
Langemeyer: „Ich sehe das, was wir jetzt als Ergebnis haben, das besser ist als das, was wir zu Anfang des Diskussionsprozesses hatten."

Bürgerforum: Um für sein Lieblingsprojekt von Land und EU Fördergelder zu bekommen, musste Langemeyer weitgehende Zugeständnisse beim Konzept machen. Die Idee vom reinen Museum ist vom Tisch und die wirtschaftliche Tragfähigkeit des geplanten Kreativzentrums fraglich. Völlig offen sind die Folgekosten des U-Turms ab 2010, die auf jeden Fall die Stadt Dortmund übernehmen muss. Das Geld wird z.B. bei der Schulsanierung und bei Integrationsmaßnahmen fehlen.

Verwaltungsreform 2020:
Langemeyer: „Es gibt da ein bewährtes Prinzip der Abarbeitung und wir haben eine Dienstvereinbarung, die sagt: Es gibt keine betriebsbedingten Kündigungen."

Bürgerforum: Mit dieser Garantie für die rund 9000 Beschäftigten der Stadtverwaltung und deren Angehörigen verschafft sich Langemeyer eine sichere Wählerbasis für die nächste Kommunalwahl, auch wenn die Betroffenen vorerst verunsichert bleiben, denn eine Reform muss auch an die Personalressourcen gehen. Langemeyers Garantie soll dazu beitragen, dass sich politisch in Dortmund nichts ändert und die SPD-Lokalpolitiker ihre Fleischtöpfe in Form von lukrativen Posten in städtischen Unternehmen bzw. bei städtischen Beteiligungen behalten.


19. Mai 2012
Wahre Worte

"Demokratie bedeutet Diskussion."

Tomás Garrigue Masaryk (1850-1937), tschech. Philosoph und Politiker