| Die Dortmunder Stadtwerke DSW21 könnten Opfer ihres eigenen Größenwahns werden: Der Kauf des Wasserversorgers Gelsenwasser AG, den das kommunale Unternehmen 2004 gemeinsam mit den Bochumer Stadtwerken für 835 Millionen Euro übernommen hat, wirft Fragen nach der Zukunft des Unternehmens auf. Auf der einen Seite brauchen die beiden Stadtwerke (DSW21) satte
Gewinne bei Gelsenwasser, um damit den Zinsdienst für den Kaufpreis zu
bedienen, zum anderen leiden die Umsätze des Gelsenkirchener Unternehmens unter
dem Einbruch der Konjunktur. Das passt nicht zusammen. So ist der Umsatz in 2008
nur um mickrige 2,6% auf 1,280 Milliarden Euro gewachsen, die beiden Stadtwerke
haben aber trotzdem 89 Millionen Euro Gewinn entnommen (vor der Übernahme waren
es nur 34 Millionen, seit der Übernahme im Schnitt 82 Millionen Euro). „Diese
Methode kennt man sonst nur von sogenannten Heuschrecken", sagte Annette
Littmann, Fraktionschefin von FDP/Bürgerliste im Rat, der „Westfälischen
Rundschau". „Sie trocknen Gelsenwasser langsam aus."
Das kann nicht lange gutgehen, zumal die Konzentration auf
dem Wassermarkt zunimmt, und Gelsenwasser zu einem eher unbedeutenden Spieler
werden könnte. Und dies vor dem Hintergrund dringend notwendiger Investitionen,
die Gelsenwasser-Vorstandsvorsitzender Manfred Scholle (er wurde mit diesem Job
„versorgt", nachdem er bei RWE seinen Abschied nehmen musste) offiziell mit 140
Millionen Euro beziffert. In Wirklichkeit dürfte der Betrag wesentlich höher
liegen. Deshalb gab es im ersten Halbjahr 2008 Gespräche mit RWE über die
Gründung eines neuen Energiekonzerns im
Ruhrgebiet, in den Gelsenwasser eingebracht werden sollte. Die Gespräche wurden
jedoch auf Eis gelegt. Insider gehen davon aus, dass RWE an einem solchen neuen
Unternehmen nur in Verbindung mit einer eindeutigen Mehrheit interessiert ist
und auf keinen Fall den Juniorpartner spielen möchte.
Die Lage ist für die DSW21 prekär, weil die Gewinne auch im
eigenen Haus längst nicht mehr wie einst sprudeln. Hinzu kommen die hohen
Verpflichtungen, die von den Dortmunder Stadtwerken im Rahmen des Nahverkehrs
und bei der Finanzierung der Verluste des Dortmunder Flughafens übernommen
werden müssen. Der Umsatz der Stadtwerke ist in 2007 von 92,3 auf 91,5
Millionen Euro zurückgegangen, das Jahresergebnis schrumpfte sogar von 2,5 auf
1,4 Millionen Euro - das ergibt ein Minus von 44%.
Wenn die Dortmunder und Bochumer Stadtwerke nicht bald eine Lösung für
Gelsenwasser finden, dürfte es nur noch einen Ausweg geben: Die Wasserpreise
müssten steigen. |