| Auffallend, wie sich die Stadt derzeit bemüht, den U-Turm als wichtigstes Leuchtturmprojekt mit Blick auf die Kulturhauptstadt 2010 ins Gespräch zu bringen. Dafür könnte es nach Informationen des Bürgerforums Phoenix zwei Gründe geben: Die Stadt hat bisher nicht viel für das Projekt Kulturhauptstadt zu bieten und stellt den einstmaligen Brauturm deshalb in den Vordergrund, oder aber Finanzierung, Baufortschritt und vor allem Nutzungskonzept des U-Turms sollen durch eine Flut von positiven Meldungen aus der Schusslinie genommen werden. Die Simulations-Modelle, die
derzeit von der Stadt in kurzem Zeittakt an die Öffentlichkeit gegeben werden,
weisen den alten Brauturm immer mehr als zukunftsweisenden Leuchtturm und neues
Wahrzeichen der Stadt aus. Wer die Bilder sieht und die Texte dazu liest, wähnt
sich im zukünftigen Schlaraffenland der Kultur. Doch zuerst müssen noch viele
Probleme gelöst werden. So u.a. diese:
- Derzeit gibt es keine Informationen,
darüber, ob der Umbau des Backsteinturms im Zeitplan ist und zu welchem
Zeitpunkt im Kulturhauptstadt-Jahr eröffnet werden kann.
- Die Ausstattung wurde aus
wirtschaftlichen Gründen auf Messebau-Niveau heruntergefahren, was einen
starken Kontrast zum hohen Anspruch, den der U-Turm erfüllen soll, steht. Ob
die vorgesehene Finanzierung trotz der schon jetzt verordneten Sparmaßnahmen
reicht, steht in den Sternen.
- Die Nutzung als Kreativzentrum
ist nicht geklärt, wobei auch die Finanzierung eine wichtige Rolle spielt. Es
wäre sicher kein Problem, Universitäts- und Fachhochschulbereiche im Turm
unterzubringen, aber würden sie auch die - hohen - Mieten zahlen können?
- Architekt Eckhard Gerber und
Medienprofessor Adolf Winkelmann haben sich angeblich geeinigt - aber mit
welchem Ergebnis? Bisher standen die Interessen des Architekten
(lichtdurchflutetes Museum) und des Filmemachers (große Außenflächen zu
Abspielung vom Filmen) im totalen Gegensatz zueinander.
- Das Museum am Ostwall wird
zwar in den U-Turm umziehen, weiß aber noch immer nicht, mit welcher
Ausstellung eröffnet werden soll. Bei einem
jährlichen Ausstellungsetat von
50.000 Euro sind große Sprünge nicht möglich, nur Ausstellungen mit
Event-Charakter ziehen aber die gewünschten Besuchermengen an.
- Die Fläche für
Wechselausstellungen soll sich das Museum am Ostwall mit anderen
Ausstellungsmachern teilen, aber wer koordiniert die schwierige Planung, die
oft bis zu fünf Jahre dauert?
- Wer das Museum am Ostwall
besuchen will, muss in die vierte Etage kommen, bevor er die ersten Exponate
sieht - nicht sehr einladend insbesondere für ortsfremde Besucher.
- Das Gastronomie-Konzept wurde
zwar mit einem Betreiber vorgestellt, offen ist jedoch, wie die Kathedrale,
offensichtlich wichtigste Attraktion des Turmes, genutzt werden soll. Nach
derzeitigen Informationen wäre sie nicht durchgehend geöffnet.
Das Bürgerforum Phoenix meint: Bis zum Beginn des Jahres 2010 sind es
nur noch wenige Monate. Sonntagsreden müssen deshalb durch konkrete, der
Öffentlichkeit zugängliche und von den Experten nachprüfbare Fakten ersetzt
werden. |