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Dortmund Projekte > U-Turm > Traum ohne Wirklichkeit
  Dortmund, 11.02.2009
  Der U-Turm – Traum ohne Wirklichkeit?
  Auffallend, wie sich die Stadt derzeit bemüht, den U-Turm als wichtigstes Leuchtturmprojekt mit Blick auf die Kulturhauptstadt 2010 ins Gespräch zu bringen. Dafür könnte es nach Informationen des Bürgerforums Phoenix zwei Gründe geben: Die Stadt hat bisher nicht viel für das Projekt Kulturhauptstadt zu bieten und stellt den einstmaligen Brauturm deshalb in den Vordergrund, oder aber Finanzierung, Baufortschritt und vor allem Nutzungskonzept des U-Turms sollen durch eine Flut von positiven Meldungen aus der Schusslinie genommen werden.

Die Simulations-Modelle, die derzeit von der Stadt in kurzem Zeittakt an die Öffentlichkeit gegeben werden, weisen den alten Brauturm immer mehr als zukunftsweisenden Leuchtturm und neues Wahrzeichen der Stadt aus. Wer die Bilder sieht und die Texte dazu liest, wähnt sich im zukünftigen Schlaraffenland der Kultur. Doch zuerst müssen noch viele Probleme gelöst werden. So u.a. diese:

  • Derzeit gibt es keine Informationen, darüber, ob der Umbau des Backsteinturms im Zeitplan ist und zu welchem Zeitpunkt im Kulturhauptstadt-Jahr eröffnet werden kann.

  • Die Ausstattung wurde aus wirtschaftlichen Gründen auf Messebau-Niveau heruntergefahren, was einen starken Kontrast zum hohen Anspruch, den der U-Turm erfüllen soll, steht. Ob die vorgesehene Finanzierung trotz der schon jetzt verordneten Sparmaßnahmen reicht, steht in den Sternen.

  • Die Nutzung als Kreativzentrum ist nicht geklärt, wobei auch die Finanzierung eine wichtige Rolle spielt. Es wäre sicher kein Problem, Universitäts- und Fachhochschulbereiche im Turm unterzubringen, aber würden sie auch die - hohen - Mieten zahlen können?

  • Architekt Eckhard Gerber und Medienprofessor Adolf Winkelmann haben sich angeblich geeinigt - aber mit welchem Ergebnis? Bisher standen die Interessen des Architekten (lichtdurchflutetes Museum) und des Filmemachers (große Außenflächen zu Abspielung vom Filmen) im totalen Gegensatz zueinander.

  •  Das Museum am Ostwall wird zwar in den U-Turm umziehen, weiß aber noch immer nicht, mit welcher Ausstellung eröffnet werden soll. Bei einem  jährlichen  Ausstellungsetat von 50.000 Euro sind große Sprünge nicht möglich, nur Ausstellungen mit Event-Charakter ziehen aber die gewünschten Besuchermengen an.

  • Die Fläche für Wechselausstellungen soll sich das Museum am Ostwall mit anderen Ausstellungsmachern teilen, aber wer koordiniert die schwierige Planung, die oft bis zu fünf Jahre dauert?

  • Wer das Museum am Ostwall besuchen will, muss in die vierte Etage kommen, bevor er die ersten Exponate sieht - nicht sehr einladend insbesondere für ortsfremde Besucher.

  • Das Gastronomie-Konzept wurde zwar mit einem Betreiber vorgestellt, offen ist jedoch, wie die Kathedrale, offensichtlich wichtigste Attraktion des Turmes, genutzt werden soll. Nach derzeitigen Informationen wäre sie nicht durchgehend geöffnet.

Das Bürgerforum Phoenix meint: Bis zum Beginn des Jahres 2010 sind es nur noch wenige Monate. Sonntagsreden müssen deshalb durch konkrete, der Öffentlichkeit zugängliche und von den Experten nachprüfbare Fakten ersetzt werden.


19. Mai 2012
Wahre Worte

"Regieren heißt voraussehen."

Robert Jungk (1913-1994), österr. Publizist