| Der Oberbürgermeister hält es für überflüssig, die CDU will es nun erfinden: Das Marketing für Dortmund. Wie es aussehen könnte, steht allerdings in den Sternen. Oberbürgermeister Gerhard
Langemeyer bleibt hart in seinem Widerstreit mit den Marketing-Experten: Alles
Teufelszeug, brauchen wir nicht, denn wir sind gut, und was gut ist, spricht
sich von selbst herum. Die CDU-Ratsfraktion setzte bei ihrem „Westfälischen
Nachmittag" das Thema auf die Tagesordnung und ließ Hartmut H. Holzmüller,
Inhaber des Lehrstuhls für Marketing an der Technischen Universität Dortmund,
referieren: „Professionelles Marketing für die Stadt und die Region".
Herausgekommen ist freilich nichts - außer Bier und Schnittchen nichts gewesen.
Bei einem Altersschnitt der 250 Zuhörer von über 60.
Dabei braucht Dortmund genau
das, was Holzmüller nur in Gemeinplätzen umkreiste: Ein Marketing, das die
Stadt mit positiven Botschaften zurückbringt auf die Landkarte. Derzeit ist von
Dortmund nur die Rede, wenn es um die letzten Plätze in den unterschiedlichsten
Rankings geht, so zum Beispiel im Kaufkraftranking von 396 Kommunen in NRW,
unter denen Dortmund mit 16 880 Euro pro Einwohner einen erschütternden Platz
332 belegt.
Das wird sich nicht ändern,
solange sich das Oberhaupt der Stadt als absolut resistent in Sachen Marketing
erweist. Nicht einmal die Grundkomponente „Kommunikation", wie sie Holzmüller
definierte, ist dem OB eingängig. So verweigerte er im Herbst 2007 dem Chef der
Airline easyJet, Andy Harrison, ein Gespräch - und braucht sich nicht zu
wundern, wenn nun der Billigflieger mit seinem Abflug den Dortmunder Flughafen in
eine Krise gestürzt hat. Auch den privaten Krankenhausbetreibern gönnt
Langemeyer keine Minute in seinem Terminkalender, obwohl sie letztendlich die
einzigen sein werden, die das Klinikum vor dem endgültigen Absturz retten.
So muss sich Dortmund auf
„Marketing-Raketen" wie die Loveparade verlassen, die Berlin als abgelegte
Geliebte verlassen hat und nun der Welt beweisen soll, dass Dortmund zum Nabel
der Welt geworden ist. Dass die meisten Teilnehmer der Loveparade in einem
Bahnhof ankommen, der wahrlich nicht als Marketingsignal einer prosperierenden
Stadt empfunden werden kann, steht auf einer anderen Seite.
Das Bürgerforum Phoenix meint: Marketing tut not, aber zuerst braucht es
Voraussetzungen, auf denen sich die Botschaft gründen lässt. |