| Oberbürgermeister Gerhard Langemeyer hat gestern bei seinem Neujahrsempfang für das Jahr 2008 zwei neue Schwerpunkte festgeschrieben: Dortmund soll zu einer "sozialen Stadt" und zu einer Stadt der "guten Bildung" werden. Medien und die Opposition haben ihn daran erinnert, dass er ob dieser neuen und wichtigen Ziele (über deren Finanzierung er allerdings keine Aussagen machte) die Baustellen nicht vergessen dürfe, die ihn teilweise seit Jahren belasten.
„Ruhr-Nachrichten"-Redakteurin
Gaby Kolle hat den Oberbürgermeister in einem Interview gefragt, ob er
angesichts der Betrugsskandale bei der Stadtverwaltung und städtischen Ablegern
„seinen Laden noch im Griff" habe, und darauf die lapidare Antwort erhalten:
„Ich finde die Frage wirklich überzogen. In der Sache muss man feststellen,
dass sich ein Mitarbeiter im Personalamt kriminell verhalten hat. Das haben wir
durch die üblichen Methoden aufgedeckt und der Staatsanwaltschaft übergeben. Wo
ist das Problem?"
Dass er
damit die Unterschlagung von 1,1 Millionen Euro in seinem eigenen Amt, offene
Kassen in den Seniorenheimen, einen Untreueprozess, bei dem es um die
Unterschlagung von 100 000 Euro gehen wird, sowie Lug und Trug im Personalamt
(ein Mitarbeiter lenkte gefälschte Beihilfeabrechnungen in die eigene Tasche)
herunterspielt, hat ihm „Ruhr-Nachrichten"-Lokalchef Jörg Heckenkamp in einem
Kommentar unter dem Titel „Der abgebrühte OB" vorgeworfen. Darin heißt es:
„Es grenzt
an Kaltschnäuzigkeit, wie kühl der OB die kriminellen Machenschaften in seinem
Haus kommentiert. Tenor: alles nicht so schlimm, eine Häufung nicht erkennbar,
wir kontrollieren. Vielleicht hat Langemeyers Abgebrühtheit schlicht mit
Vergessen zu tun - vielleicht vergisst er, dass es sich um Steuergelder
handelt, die verschwinden. Das lässt die Bürger sogar kochen."
Auch die
Opposition im Rat will es nicht zulassen, dass Langemeyer seine Fehler weiterhin
bagatellisiert. Dr. Annette Littmann, Fraktionschefin der FDP/Bürgerliste,
erklärte den „Ruhr-Nachrichten": „Der OB hat seinen Laden nicht im Griff, und
man muss mit Sorge abwarten, was noch alles an Missständen herauskommt."
CDU-Fraktionschef Frank Hengstenberg erklärte den „Ruhr-Nachrichten", die innere
Organisation der Stadtverwaltung sei „ein Sauhaufen, und an der Spitze steht
immer der Herr Langemeyer". Statt seinem Hauptjob als Verwaltungschef
nachzukommen, entwickele sich der OB zunehmend zur „Teflonpfanne, an der nichts
haften bleiben soll".
Der Schuss
könnte, meint das Bürgerforum Phoenix, allerdings auch nach hinten losgehen: Falls
sich die SPD tatsächlich entschließen sollte, Langemeyer nochmals als
OB-Kandidaten für die Kommunalwahlen in 2009 aufzustellen, würde ihr Kandidat
viele Angriffsflächen bieten.
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