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Politik&Finanzen > Oberbürgermeister > Schuesse gegen Langemeyer
  Dortmund, 24.01.2008
  Medien und Opposition schießen gegen Langemeyer
  Oberbürgermeister Gerhard Langemeyer hat gestern bei seinem Neujahrsempfang für das Jahr 2008 zwei neue Schwerpunkte festgeschrieben: Dortmund soll zu einer "sozialen Stadt" und zu einer Stadt der "guten Bildung" werden. Medien und die Opposition haben ihn daran erinnert, dass er ob dieser neuen und wichtigen Ziele (über deren Finanzierung er allerdings keine Aussagen machte) die Baustellen nicht vergessen dürfe, die ihn teilweise seit Jahren belasten.

„Ruhr-Nachrichten"-Redakteurin Gaby Kolle hat den Oberbürgermeister in einem Interview gefragt, ob er angesichts der Betrugsskandale bei der Stadtverwaltung und städtischen Ablegern „seinen Laden noch im Griff" habe, und darauf die lapidare Antwort erhalten: „Ich finde die Frage wirklich überzogen. In der Sache muss man feststellen, dass sich ein Mitarbeiter im Personalamt kriminell verhalten hat. Das haben wir durch die üblichen Methoden aufgedeckt und der Staatsanwaltschaft übergeben. Wo ist das Problem?"

Dass er damit die Unterschlagung von 1,1 Millionen Euro in seinem eigenen Amt, offene Kassen in den Seniorenheimen, einen Untreueprozess, bei dem es um die Unterschlagung von 100 000 Euro gehen wird, sowie Lug und Trug im Personalamt (ein Mitarbeiter lenkte gefälschte Beihilfeabrechnungen in die eigene Tasche) herunterspielt, hat ihm „Ruhr-Nachrichten"-Lokalchef Jörg Heckenkamp in einem Kommentar unter dem Titel „Der abgebrühte OB" vorgeworfen. Darin heißt es:

„Es grenzt an Kaltschnäuzigkeit, wie kühl der OB die kriminellen Machenschaften in seinem Haus kommentiert. Tenor: alles nicht so schlimm, eine Häufung nicht erkennbar, wir kontrollieren. Vielleicht hat Langemeyers Abgebrühtheit schlicht mit Vergessen zu tun - vielleicht vergisst er, dass es sich um Steuergelder handelt, die verschwinden. Das lässt die Bürger sogar kochen."

Auch die Opposition im Rat will es nicht zulassen, dass Langemeyer seine Fehler weiterhin bagatellisiert. Dr. Annette Littmann, Fraktionschefin der FDP/Bürgerliste, erklärte den „Ruhr-Nachrichten": „Der OB hat seinen Laden nicht im Griff, und man muss mit Sorge abwarten, was noch alles an Missständen herauskommt." CDU-Fraktionschef Frank Hengstenberg erklärte den „Ruhr-Nachrichten", die innere Organisation der Stadtverwaltung sei „ein Sauhaufen, und an der Spitze steht immer der Herr Langemeyer". Statt seinem Hauptjob als Verwaltungschef nachzukommen, entwickele sich der OB zunehmend zur „Teflonpfanne, an der nichts haften bleiben soll".

Der Schuss könnte, meint das Bürgerforum Phoenix, allerdings auch nach hinten losgehen: Falls sich die SPD tatsächlich entschließen sollte, Langemeyer nochmals als OB-Kandidaten für die Kommunalwahlen in 2009 aufzustellen, würde ihr Kandidat viele Angriffsflächen bieten.


9. Februar 2012
Wahre Worte

"Ein Nachteil der Politik liegt darin, dass manche vernünftige Maßnahme bloß deswegen unterbleibt, weil der Gegner sie vorgeschlagen hat."

Romain Gary (1914-1980), französ. Schriftsteller