| Einer muss es ja machen, wenn schon die eigene Partei ihren Oberbürgermeister von der Liste gestrichen hat: Gerhard Langemeyer feiert sich selbst, bevor er zum ersten Mal nach den Kommunalwahlen am 7. Juni und dann endgültig mit Ablauf der Legislaturperiode im Oktober nach elf Jahren im Rathaus von der Bühne verschwindet. Auf dem Neujahrsempfang, zu dem Langemeyer ins Konzerthaus
geladen hatte, gab sich der Mann, dem die eigenen SPD-Genossen eine dritte
Oberbürgermeister-Kandidatur versagt haben, als König einer florierenden Stadt.
Die Arbeitslosenquote von nur 12,6% sei für ihn die wichtigste Zahl des Jahres
- tatsächlich hat Dortmund unter den deutschen Großstädten hinter Berlin
(12,9%) jedoch die höchste Arbeitslosenquote in ganz Deutschland (Arbeit und Soziales).
Weiter im Lobgesang in eigener Sache: Bei der Gewerbesteuer
habe man nur mit 299 Millionen Euro gerechnet, eingenommen habe man aber 303
Millionen - tatsächlich hat das Statistische Landesamt aber nur 293 Millionen
Euro ermittelt (die Differenz sollen Dortmunder Unternehmen auf Bitten der
Stadt als Gewerbesteuervorauszahlung für das 1. Quartal 2009 gezahlt haben, ein
Betrag, der im Haushalt 2009 - wenn Langemeyer schon im Ruhestand ist - fehlen
wird.
Und natürlich der neue Bahnhof, der nun Wirklichkeit werde -
auch wenn tatsächlich nur der Eingangsbereich hergerichtet werden soll. Und der
U-Turm - auch wenn es bisher weder ein überprüfbares Nutzungskonzept noch einen
Intendanten und auch keine Finanzierungs-Sicherheit gibt. Für König Gerhard von
Dortmund gibt es vor dem Ende seiner Amtszeit nur Erfolge.
Dass er kurz vor dem Empfang in eigener Sache eine reale
Niederlage einstecken musste, kam beim Neujahrsempfang nur nach dem offiziellen
Teil zur Sprache: Bei dem Versuch, seinen Ex-Wahlkampfleiter Reinold Plätz zu
versorgen und ihn auf den Posten des Personalamtsleiters zu hieven, ist er auch
an den eigenen Genossen gescheitert. Sie hatten ihm vor der Abstimmung im Rat zu verstehen gegeben, dass sie ihm bei seiner Politik nach Gutsherrnart nicht
folgen und ihn mit dem Vorschlag Plätz scheitern lassen würden. So braucht sein Nachfolger im Oberbürgermeisteramt zumindest
in diesem Fall keine der Kröten zu schlucken, die noch lange an die Ära
Langemeyer erinnern werden. |