| Oberbürgermeister Gerhard Langemeyer will den eigenen Genossen zeigen, was eine Harke ist: Auch wenn sie ihn wegen der Bargeldaffäre und mit Blick auf den Koalitionspartner Die Grünen gar nicht mehr wollen, will er im Juni 2009 als Oberbürgermeister-Kandidat der SPD bei den Kommunalwahlen antreten. Im kleinsten Kreis, so berichten „Westfälische Rundschau"
und „WAZ", haben die führenden Genossen ihrem Maestro bedeutet, er möge auf die
Kandidatur verzichten. Offensichtlich machen sie sich Sorgen, die Person
Langemeyer, die Bargeldaffäre in seinem eigenen Amt (1,1 Millionen Euro
unterschlagen), sein Alter (bei Ablauf der Amtszeit wäre Langemeyer 71 Jahre alt)
und nicht zuletzt die strikte Weigerung der Grünen, unter einem
Oberbürgermeister, der Langemeyer heißt, nochmals mit der SPD zu koalieren,
könnte zu einer Niederlage bei den Kommunalwahlen im Juni 2009 führen.
Langemeyers Basta-Argument: Wen, wenn nicht mich, wen wollt ihr denn dann
aufstellen?
Als Kandidaten im Ärmel hat die SPD-Spitze zwar die
Stadträte Ullrich Sierau und Jörg Stüdemann, Langemeyer setzt jedoch darauf,
dass beide bei ihrer Aussage bleiben und nur dann für eine Kandidatschaft
bereit sind, wenn der amtierende Oberbürgermeister zuvor verzichtet hat. Doch
genau das will und wird er nicht tun. „Gefährlich für die SPD", orakelt Frank
Fligge in der „Westfälischen Rundschau": „Die Linkspartei wird ganz sicher
einen Bewerber ins Rennen schicken, die Grünen nun wohl auch - beide fischen
ihre Stimmen im linken Lager. Dort also, wo auch Langemeyer das Gros seiner
Wähler hat... So könnte es für Langemeyer eng werden. Ganz eng."
In der „WAZ" fragt Rolf Maug, warum ein ungeliebter
Langemeyer so trotzig um ein Amt kämpft, in dem ihn selbst seine Genossen nicht
mehr haben wollen: „Der Mann wird im
Wahljahr 65. Und auch mit 60 oder 70 Prozent vom letzten OB-Gehalt, das
etwa 213 000 Euro im Jahr beträgt, lässt sich der Ruhestand doch wohl ertragen.
Dass Langemeyer so sehr an seinem Stuhl klebt, dass er sogar alle Mahnungen
seines um den Machterhalt fürchtenden Parteivorstands in den Wind schlägt,
leuchtet nicht nur am Stammtisch nicht recht ein. Auch den Grünen wird angst
und bange, wenn sie auf die Wahlchancen eines Partners sehen, der mit dem
blassen Langemeyer als Zugpferd antritt."
Ob Langemeyer seine Genossen tatsächlich noch einmal gängeln
kann, wird der Wahlparteitag im November zeigen. Dann gibt es nur hü oder hott. |