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Politik&Finanzen > Oberbürgermeister > Der OB, die lange Bank und ein paar Unwahrheiten
  Dortmund, 30.07.2008
  Der OB, die lange Bank und ein paar Unwahrheiten
  Er war zwar in Urlaub und hat sich nach eigener Aussage bestens erholt, geändert hat er sich nicht. In Interviews mit den "Ruhr-Nachrichten" und der "Westfälischen Rundschau" ist Oberbürgermeister Gerhard Langemeyer seinen Prinzipien treu geblieben: Er reagiert arrogant, nennt keine Fakten, schiebt wichtige Entscheidungen auf die lange Bank und im Zweifelsfall darf es auch die Unwahrheit sein.

Wie Gottvater hat der Oberbürgermeister auf die Fragen der Interviewer von  „Westfälischer Rundschau" und „Ruhr-Nachrichten" geantwortet. Oder genauer: Er hat sich selbst großartig gefunden, ansonsten aber alles offen gelassen und - wenn es schwierig wurde - auch die Unwahrheit gesagt. So zum Beispiel auf die Frage nach dem Teilabflug von Easyjet vom Dortmunder Airport. Langemeyer wörtlich im „Rundschau"-Interview: „Easyjet reduziert sein Angebot nicht wegen der starren Betriebszeiten, sondern wegen der Kerosinpreise." Tatsache ist -  so nachzulesen auf der offiziellen Internetseite des Dortmunder Flughafens -, dass die britische Fluggesellschaft insgesamt sechs Verbindungen ab Dortmund „auf Grund der beispiellos schlechten Betriebszeiten der Startbahn Ruhrgebiet einstellt; diese erlauben keine wirtschaftliche Nutzung der Flugzeuge in  der Westfalenmetropole".

Auch zum Thema Privatisierung des Klinikums nimmt es Langemyer offensichtlich nicht so genau. Obwohl er sich bisher standhaft geweigert hat, auf eines der Gesprächsangebote der privaten Klinikbetreiber einzugehen, heißt es nun: „Wir haben durchaus Gespräche mit den Privaten geführt. Ich sehe aber nicht, wo die Vorteile einer privaten Trägerschaft liegen sollten." Die Privaten wissen nichts von solchen Gesprächen mit dem OB.

Ansonsten - keine oder ausweichende Antworten auf konkrete Fragen. Beispiele:

  • Staatsanwaltliche Ermittlungen, die Regierungspräsident Helmut Diegel im Streit um die Klinikumfinanzen angestrengt hat: „Ich bitte um Verständnis, wenn ich zu diesem Thema kein Wort sage."
  • Klinikum-Sanierung: „Die europaweite Ausschreibung für das gesuchte Sanierungsteam ist draußen. Ich gehe davon aus, dass wir im September weitere Bausteine für einen Sanierungsplan bekommen" (ein weit gesteckter Zeitrahmen angesichts der akuten Finanz- und  Personalprobleme im Klinikum!)
  • Investitionsstau von 250 Millionen Euro beim Klinikum: „Mein Voerschlag, dass der Finanzbedarf aus dem Stadthaushalt finanziert wird, ist ohne Alternative." 
  • Sozialticket, dass von  jetzt 25 auf 35 Euro monatlich erhöht werden soll, weil die Stadtwerke nicht bereit sind, die Kosten zu tragen: "Ich will mich jetzt nicht auf den Betrag festlegen."
  • Ratsbürgerentscheid zur Verlängerung der Betriebszeiten: „Ich will mich jetzt um kleinere Details nicht kümmern. Dazu braucht es einen differenzierten Vorschlag."
  • Haushalt 2008/2009: „Wir haben ... ein gutes Gefühl, dass wir über den Rahmen der Haushaltsbewirtschaftung zu einem guten Ergebnis am Ende des Jahres kommen."
  • Bargeldaffäre im OB-Amt (1,1 Millionen Euro Unterschlagungen): „Ich kann nur sagen, es gab Vorschriften, wie mit Barabhebungen umzugehen ist. Diese Vorschriften sind nicht alle eingehalten worden. Kriminelle Handlungen gibt es auch in der Privatwirtschaft."
  • Meinungsverschiedenheiten bei der Suche nach dem Gründungsintendanten für den U-Turm: „Die Verträge werden gerade ausgehandelt, deshalb verstehe ich die Frage zum jetzigen Zeitpunkt nicht."
  • Unstimmigkeiten zwischen dem Filmemacher Adolf Winkelmann, der Gründungsintendant werden soll und U-Architekt Prof. Gerber über die Aussenfassade als Projektsfläche für Bilder und Filme: „Ich kann dazu nur sagen, was wir verabredet haben, wird umgesetzt."

Seiner Selbstherrlichkeit hat Langemyer auf die Frage der „Westfälischen Rundschau" was er von seinen Gegenkandidaten bei den Kommunalwahlen 2009 halte, die Krone aufgesetzt:
„Mir ist egal, wer gegen mich verliert." Gregor Beushausen hat darauf in einem Kommentar reagiert: „Bislang hat der rote Regent im Rathaus noch immer gezeigt, wo Bartel den Most holt. Selbst das unverblümte ‚Mit dem nicht mehr' des  Fraktionsvorsitzende Ernst Prüsse hat ihn  wenig interessiert ... Langemeyers Kritiker, so viel ist klar, werden seine Kandidatur nicht verhindern. Ihre ganze Hoffnung ruht darauf, es möge Unvorhergesehenes passieren, das seine Nominierung unmöglich macht." 


9. Februar 2012
Wahre Worte

"Der Haushalt ist der beste, in dem man nichts Überflüssiges will, nichts Notwendiges entbehrt."

Plutarch (um 46 n. Chr.-um 120), griech. Philosoph