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Politik&Finanzen > Haushalt > Finanzlage der Stadt
  Dortmund, 06.03.2009
  Finanzlage in Dortmund: Geringe Einnahmen, hohe Sozialkosten
  Nach neuesten Erhebungen der Bertelsmann-Stiftung (Gütersloh) zur Finanzlage der Kommunen bestätigt sich die brisante Situation Dortmunds. Im Vergleich der zehn größten Städte in NRW landet die Westfalenmetropole bei der Einnahmeseite auf den hinteren Plätzen. Dafür bekommt sie von den zehn verglichenen Städten im Rahmen des kommunalen Finanzausgleichs die meisten Geldmittel.

Dass Dortmund eine Stadt mit geringer Wirtschafts- und Kaufkraft ist, zeigen die neuesten Bertelsmann-Zahlen: Unter den zehn größten NRW-Städten landet Dortmund bei den Einnahmen aus der Gewerbesteuer, einem wichtigen Indikator für die Wirtschaftskraft einer Kommune, nur auf Rang 7, bei den Einkommensteuereinnahmen sogar nur auf dem vorletzten Rang (9).

Um das wahre Ausmaß ihrer vielfach defizitären Haushalte zu verschleiern, nutzen viele Kommunen die sog. Kassenkredite, eine Art Dispositionskredit für Städte. Von diesen kurzfristigen Schulden, die aufgrund hoher Zinsen sehr teuer sind, macht Dortmund mit 1238 Euro pro Einwohner kräftig Gebrauch. Wirtschaftlich starke Kommunen wie Münster und Düsseldorf können dagegen auf diese Notfinanzierung verzichten.

Geringe Einnahmen auf der einen, hohe Ausgaben auf der anderen Seite: Bei den Sozialkosten wird Dortmund mit 654 Euro pro Einwohner von den zehn größten Städten in NRW am stärksten belastet. Dies ist vor allem auf die landesweit höchste Quote von Langzeitarbeitslosen zurückzuführen. Dass rund jeder sechste Einwohner Dortmunds auf Sozialtransfers angewiesen ist, lässt die Defizite im städtischen Haushalt immer stärker steigen.

Anders als von der Stadtspitze verbreitet, profitiert Dortmund als „arme Kommune" erheblich von den Mitteln aus dem kommunalen Finanzausgleich. So erhielt Dortmund 2007 rund 600 Euro pro Einwohner, 17% mehr als im Vorjahr. Städte wie Bonn, Düsseldorf oder Münster, die ihre Finanzen in Ordnung gebracht haben, sind auf diese Hilfen überhaupt nicht angewiesen.

Erneut zeigt sich, dass nur eine solide Haushaltspolitik die Möglichkeiten eröffnet, aus der Schuldenfalle - sinkende Einnahmen, immer höhere Ausgaben - dauerhaft herauszukommen. Städte wie Düsseldorf haben mit der Privatisierung ihrer Beteiligungen den richtigen Weg vorgezeichnet. Sie haben die Kommunalfinanzen auf solide Grundlagen gestellt und sich neue Gestaltungsspielräume verschafft.

Gewerbesteuereinnahmen
Rang
Stadt
Euro/Einw.
1
Düsseldorf
1589,7
2
Köln
934,9
3
Essen
686,4
4
Münster
634,6
5
Bielefeld
522,7
6
Duisburg
417,3
7
Dortmund
408,1
8
Wuppertal
391,1
9
Bochum
368,3
10
Bonn
209,7
Stand: 2007; Quelle: Bertelsmann-Stiftung
(Gütersloh), Erhebung vom März 2009
Einkommensteuereinnahmen
Rang
Stadt
Euro/Einw.
1
Düsseldorf
399,2
2
Bonn
379,5
3
Münster
370,3
4
Köln
360,2
5
Wuppertal
334,7
6
Essen
326,7
7
Bochum
319,9
8
Bielefeld
312,5
9
Dortmund
286,3
10
Duisburg
262,6
Stand: 2007; Quelle: Bertelsmann-Stiftung
(Gütersloh), Erhebung vom März 2009


Langfristige Schulden
Rang
Stadt
Euro/Einw.
1
Münster
2656,0
2
Köln
2456,4
3
Bochum
2303,4
4
Bonn
1887,3
5
Essen
1774,9
6
Dortmund
1559,2
7
Duisburg
1078,0
8
Wuppertal
608,6
9
Düsseldorf
333,9
10
Bielefeld
156,3
Stand: 2007; Quelle: Bertelsmann-Stiftung
(Gütersloh), Erhebung vom März 2009
Kurzfristige Schulden (Kassenkredite)
Rang
Stadt
Euro/Einw.
1
Wuppertal
2850,4
2
Essen
2699,2
3
Duisburg
2475,9
4 Dortmund
1238,2
5
Bochum
796,1
6
Bonn
709,7
7
Bielefeld
702,7
8
Köln
38,3
9
Münster
0,0
9
Düsseldorf
0,0
Stand: 2007; Quelle: Bertelsmann-Stiftung
(Gütersloh), Erhebung vom März 2009


Sozialkosten
Rang
Stadt
Euro/Einw.
1
Dortmund
654,2
2
Essen
519,6
3
Köln
512,3
4
Wuppertal
463,0
5
Bielefeld
414,6
6
Bonn
412,7
7
Bochum
379,0
8
Düsseldorf 358,3
9
Münster
357,6
10
Duisburg
301,9
Stand: 2007; Quelle: Bertelsmann-Stiftung
(Gütersloh), Erhebung vom März 2009
Mittel aus dem Finanzausgleich
Rang
Stadt
Euro/Einw.
1
Dortmund
600,5
2
Duisburg
586,6
3
Bochum
445,0
4
Essen
437,5
5
Wuppertal
384,5
6
Bielefeld
383,5
7
Köln
102,8
8
Bonn
0,0
8
Düsseldorf
0,0
8
Münster
0,0
Stand: 2007; Quelle: Bertelsmann-Stiftung
(Gütersloh), Erhebung vom März 2009





 

 

 


6. Februar 2012
Wahre Worte

"Die öffentliche Hand befindet sich meist in unseren Taschen."

Ilona Bodden (1927-1985), dt. Schriftstellerin