| Cross Border Leasing, ein Steuertrick amerikanischer Investoren, mit dem deutsche Kommunen in den Jahren 1994 bis 2004 Geschäfte im Wert bis zu geschätzten 80 Milliarden Euro gemacht haben, kommt wie ein Bumerang auf die Städte zurück. Tickt auch im Dortmunder Rathaus eine Zeitbombe? Dortmund gehört zu den rund 160
deutschen Städten, die sich an dem scheinbar lukrativen Geschäft beteiligt
haben: Der Westfalenhallen-Komplex im Jahr 2001 und die
Stadtbahnanlagen bzw. Schienennetzinfrastruktur im Jahr 2002 wurden für rund 1,8
Milliarden Euro an US-Investoren verkauft - um sie im selben Atemzug zurückzuleasen.
Der größte Teil des Kaufpreises wurde angelegt, um mit den Zinsen die
Leasingraten zu bezahlen. Ca. 80 Millionen Euro sollen jedoch als flüssige
Mittel an die Stadt bzw. die Stadtwerke geflossen sein (die damit den
Phoenix-See finanzieren).
Doch das Geschäft, mit dem
Investmentbanken und Anwaltskanzleien gut verdient haben, könnte nun auch die
Stadt Dortmund viel Geld kosten. Denn erstens haben amerikanische Gerichte
Cross Border Leasing als nicht zulässigen Steuertrick untersagt, und zweitens
befinden sich viele der Banken, bei denen das Geld angelegt wurde, im Zuge der
Finanzmarktkrise in erheblichen Schwierigkeiten. Dieses Bonitätsrisiko haben
die Städte zwar abgesichert, doch z.B. der amerikanische Versicherungsriese
AIG, der oft mit im Geschäft war, steckt selbst in Schwierigkeiten. Sinkt die
Bonität der Bank oder Versicherung, muss die Kommune zusätzliche Sicherheiten
leisten.
Kein Problem in Dortmund?
Oberbürgermeister Gerhard Langemeyer zieht sich auf Klauseln zurück: „Mit den
Vertragspartnern wurde bei Abschluss der Verträge eine
Verschwiegenheits-Verpflichtung vereinbart. Ich bitte um Verständnis, wenn ich
aus diesem Grunde keine weiteren Auskünfte geben kann." Stadtkämmerin
Christiane Uthemann hat auf Anfrage der „Ruhr-Nachrichten" noch im November
2008 erklärt: „Meine Kämmerei ist im ständigen Kontakt mit unseren Anwälten in Frankfurt. Im Moment
habe ich keine Anzeichen, dass wir nicht mehr im grünen Bereich sind."
Doch das war im November. Seither
hat sich die Finanzmarktkrise erheblich verschärft. Das Bürgerforum Phoenix fragt:
Kann es zulässig sein, dass Verträge mit einem Risiko, für das letztendlich der Bürger
haftet, mit einer Verschwiegenheitsklausel versehen werden durften? Dass der
Bürger von einer möglichen Schieflage also erst erfährt, wenn der Ernstfall
bereits eingetreten ist? Und das bei einer städtischen Verschuldung, die eine
Haushaltssperre wie das Damoklesschwert über dem Rathaus schweben lässt?
OB Langemeyer, bitte antworten Sie! |