| Die Lage des Dortmunder Klinikums hat sich gefährlich verschlimmert: Neben der Finanzmisere und der hinlänglich bekannten Management-Problematik gibt es gravierende Personalprobleme. In der Anästhesie sind - umgerechnet auf Vollzeitstellen - 10 der 74 Planstellen nicht besetzt. Insbesondere bei den jüngeren Chefärzten gibt es wegen der gegenwärtigen Perspektivlosigkeit akute Abwanderungsabsichten. Der Rat der Stadt hat das Thema Klinikum trotz der gebotenen Dringlichkeit auf die Zeit nach der Sommerpause vertagt. Bis dahin könnte es zu akuten Notständen kommen, denn ohne ausreichend viele Anästhesisten ist nicht mehr garantiert, dass alle geplanten Operationen auch tatsächlich vorgenommen werden können. Die Suche nach Bewerbern gestaltet sich schwierig, weil sich die Lage am Klinikum in der Ärzteschaft herumgesprochen hat und das Interesse entsprechend gering ist.
Aber nicht nur die Neubesetzung offener Stellen fällt schwer, die Abwanderungsabsichten unter den jüngeren Chefärzten weiten sich aus. Der Investitionsstau und die damit verbundene Sorge selbst um die kurzfristige Zukunftssicherung des Klinikums lassen keine positiven Perspektiven mehr erkennen. Sollten diese Chefärzte gehen, wird es schwer fallen, qualifizierte Nachfolger zu finden.
Denn inzwischen hat sich herumgesprochen, was die Wirtschaftsprüfer von PriceWaterhouseCoopers in ihrer Sanierungsanalyse als Krisenursachen ausgemacht haben:
- Es gibt kein einheitliches marktstrategisches Konzept
- Es gibt keine ausreichende Leistungssteuerung
- Die Bruttopersonalkosten sind zu hoch
- Die Eigenkapitalquote ist zu niedrig, die Liquiditätsengpässe sind zu groß
- Ein ganzheitliches Investitionskonzept fehlt
- Die Defizite in den Führungs- und Entscheidungsstrukturen sind katastrophal.
Aus diesem Dilemma kommt das Klinikum nach Auffassung der PWC-Experten nur heraus, wenn das jetzige Management durch ein „erfahrenes Saniererteam verstärkt wird". Ob die notwendigen Maßnahmen angesichts der akuten Finanznot allerdings schnell genug greifen, steht dahin. In der Ärzteschaft des Klinikums gibt es deshalb eine wachsende Mehrheit für die Privatisierung, zumal von interessierten Unternehmen feste Zusage für eine gesicherte Fortführung - ohne Personalbabau und mit einem Veto-Recht für die Stadt Dortmund - vorliegen. |