| In der augenblicklichen Notlage des Dortmunder Klinikums geht es nicht nur darum, ob die Mitarbeiter einem Notlagentarif zustimmen und die Stadt als Eigentümerin dann mit einer Bürgschaft einspringt, es geht auch um die Reputation aus der Sicht der Ärzte. Einige der Chefärzte würden schon jetzt keine Perspektive mehr für sich sehen, und mit qualifizierten Bewerbern für offene Stellen sei kaum noch zu rechnen.
So verwundert es nicht, dass die Klinikumärzte, die im
Marburger Bund organisiert sind, der Forderung der Stadt nach einem
Notlagentarif eine eindeutige Abfuhr erteilt haben. Sie wollen lieber einen
schnellen Wechsel - das heißt mit anderen Worten Privatisierung - als eine
Fortsetzung der Misere. Die Vertreter des Marburger Bundes im Klinikum, Rudolf
Henke (Vorsitzender) und Prof. Dr. Ingo Flenker, erklärten im Gespräch mit der
„Westfälischen Rundschau": „Wer glaubt denn ernsthaft, dass das Klinikum
Dortmund mit gesenkten Gehältern noch wettbewerbsfähig bleibt und
wirtschaftlich erfolgreich geführt werden kann? Die Erfahrung lehrt, dass
diejenigen Ärzte, die mobil sind, sich rasch bessere berufliche Alternativen
suchen."
Dass Oberbürgermeister Gerhard Langemeyer trotzdem an seiner
Forderung nach einem Notlagentarif für die Mitarbeiter des Klinikums festhält,
begründete er in der „Westfälischen Rundschau": Aus seiner Sicht rechne sich
das Angebot des privaten Klinikbetreibers Helios nicht, „weil zum einen die
Stadt auf den Altschulden des Klinikums sitzen bleiben würde, und weil zum
anderen das Klinikum Mitte geschlossen werden solle, das gerade mit
öffentlichen Mitteln gefördert worden ist." Langemeyer geht davon aus, dass die
Stadt in einem solchen Fall Fördergelder an das Land zurückzahlen müsse.
Tatsache ist, dass Helios der Stadt Dortmund angeboten hat,
für 350 Millionen Euro am Standort Nord ein neues Krankenhaus zu bauen. Als
Referenz kann die Helios Kliniken GmbH, die zum Gesundheitskonzern Fresenius SE
gehört, 58 Kliniken mit 27 000 Mitarbeitern, 460 000 stationär betreute
Patienten pro Jahr und einen Jahresumsatz von rund 1,7 Milliarden Euro
vorweisen. Zu den 58 Kliniken gehören auch die Maximalversorger Wuppertal,
Erfurt, Schwerin und Berlin-Buch.
Das Bürgerforum Phoenix vertritt den Standpunkt: Nur eine
schnelle Privatisierung kann das Klinikum Dortmund retten. Deshalb ist es
dringend notwendig, Gespräche mit verschiedenen privaten
Betreibergesellschaften aufzunehmen, die Privatisierung auszuschreiben und das
für Dortmund beste Angebot sofort in Angriff zu nehmen.
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