| Dass der Arnsberger Regierungspräsident Helmut Diegel in Sachen Klinikum nun sogar die Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts auf Veruntreuung und Insolvenzverschleppung angerufen hat, ist ein bisher einmaliger Vorgang. Doch sind das längst nicht alle Fragen, die in Verbindung mit dem Klinikum gestellt werden. Unter den Klinikdirektoren und leitenden Ärzten wie allen
anderen Mitarbeitern herrscht Unruhe. „Die wirtschaftliche Situation des
Klinikums erfordert unverzügliches Handeln des Rates der Stadt Dortmund", heißt
es in einem offenen Brief, den Ärzte, Pflegedienstleistung und Arbeitsdirektor
gemeinsam unterschrieben haben. „Wir möchten die anerkannt hohe medizinische
Leistung auch in Zukunft für die Bürgerinnen und Bürger der Stadt Dortmund und
der Region erhalten! Die quälende öffentliche Diskussion verunsichert Patienten
und Mitarbeiter."
Intern geht es im zweitgrößten deutschen Kommunalkrankenhaus
(1751 Betten) noch direkter zur Sache:
- Die Wirtschaftsprüfer attestieren der Leitungsebene des
Klinikums unzureichenden betriebswirtschaftlichen und medizinischen
Sachverstand. Warum, so die immer wieder gestellte Frage, wird das Klinikum
seit Jahren so wenig professionell geführt und warum kommt es nicht zu
überfälligen Personalentscheidungen?
- Der Investitionsbedarf beläuft sich auf jährlich 25
Millionen Euro für acht Jahre plus Kosten für das neue Funktions- und
Operationszentrum, zusammen rund 300 Millionen Euro, die von der Stadt auf
keinen Fall aufgebracht werden können.
- Warum gibt es keine Gespräche mit privaten Investoren, die
zur Übernahme der notwendigen Kosten bei gleichzeitigem Bestandsschutz bereit
sind?
- Soll weitere Fachkompetenz verloren gehen: Thoraxchirurgie
abgeschafft, Endokrinologie in die Praxis ausgezogen und es bröckelt an
weiteren Fronten.
- Wie soll die Nachbesetzung von Chefarztstellen geregelt
werden? Zwar gibt es immer Bewereber, aber sind es auch immer die besten?
- Warum stehen in der Anästhesieabteilung 15 Arztstellen
offen?
- Wie soll die Investition in der Medizintechnologie erfolgen?
Aktuell fehlen 20 Millionen Euro.
- Schreckt der Oberbürgermeister vor Verdi und den Linken
zurück, die im nächsten Stadtrat sitzen werden?
Der Rat der Stadt hat sich zunächst in die Sommerferien
verabschiedet. Das Thema Klinikum steht bis dahin auf dem Wartegleis. Die
Unruhe unter den Betroffenen steigt. |