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Konzern Stadt Dortmund > Klinikum > Fragen ueber Fragen
  Dortmund, 28.06.2008
  Klinikum - Fragen über Fragen
  Dass der Arnsberger Regierungspräsident Helmut Diegel in Sachen Klinikum nun sogar die Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts auf Veruntreuung und Insolvenzverschleppung angerufen hat, ist ein bisher einmaliger Vorgang. Doch sind das längst nicht alle Fragen, die in Verbindung mit dem Klinikum gestellt werden.

Unter den Klinikdirektoren und leitenden Ärzten wie allen anderen Mitarbeitern herrscht Unruhe. „Die wirtschaftliche Situation des Klinikums erfordert unverzügliches Handeln des Rates der Stadt Dortmund", heißt es in einem offenen Brief, den Ärzte, Pflegedienstleistung und Arbeitsdirektor gemeinsam unterschrieben haben. „Wir möchten die anerkannt hohe medizinische Leistung auch in Zukunft für die Bürgerinnen und Bürger der Stadt Dortmund und der Region erhalten! Die quälende öffentliche Diskussion verunsichert Patienten und Mitarbeiter."

Intern geht es im zweitgrößten deutschen Kommunalkrankenhaus (1751 Betten) noch direkter zur Sache:

  • Die Wirtschaftsprüfer attestieren der Leitungsebene des Klinikums unzureichenden betriebswirtschaftlichen und medizinischen Sachverstand. Warum, so die immer wieder gestellte Frage, wird das Klinikum seit Jahren so wenig professionell geführt und warum kommt es nicht zu überfälligen Personalentscheidungen?

  • Der Investitionsbedarf beläuft sich auf jährlich 25 Millionen Euro für acht Jahre plus Kosten für das neue Funktions- und Operationszentrum, zusammen rund 300 Millionen Euro, die von der Stadt auf keinen Fall aufgebracht werden können.

  • Warum gibt es keine Gespräche mit privaten Investoren, die zur Übernahme der notwendigen Kosten bei gleichzeitigem Bestandsschutz bereit sind?

  • Soll weitere Fachkompetenz verloren gehen: Thoraxchirurgie abgeschafft, Endokrinologie in die Praxis ausgezogen und es bröckelt an weiteren Fronten.

  • Wie soll die Nachbesetzung von Chefarztstellen geregelt werden? Zwar gibt es immer Bewereber, aber sind es auch immer die besten?

  • Warum stehen in der Anästhesieabteilung 15 Arztstellen offen?

  • Wie soll die Investition in der Medizintechnologie erfolgen? Aktuell fehlen 20 Millionen Euro.

  • Schreckt der Oberbürgermeister vor Verdi und den Linken zurück, die im nächsten Stadtrat sitzen werden?

Der Rat der Stadt hat sich zunächst in die Sommerferien verabschiedet. Das Thema Klinikum steht bis dahin auf dem Wartegleis. Die Unruhe unter den Betroffenen steigt.


19. Mai 2012
Wahre Worte

"Regieren heißt voraussehen."

Robert Jungk (1913-1994), österr. Publizist