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Konzern Stadt Dortmund > Flughafen > Misere Flughafen
  Dortmund, 16.07.2008
  Flughafen-Misere: Wiederbelebungsversuche - jetzt oder nie
  Der Rückzug des Billigfliegers Easyjet vom Dortmunder Airport, der 2001 vollmundig als "Startbahn Ruhrgebiet" gestartet ist, könnte der Anfang vom Ende sein - wenn die Politik nicht endlich den Mut zu einer Entscheidung über die Parteien hinweg aufbringt. Nach der Bahnhofspleite würde die Stadt noch tiefer in die Provinzialität versinken.

Die Politik hat zwar den Flughafen gewollt, sich dann aber geduckt: Bis heute haben sich alle Parteien vor einer Entscheidung für den Ausbau gedrückt, weil sie um Wählerstimmen fürchten - bis hin zu der feigen Idee von SPD-Fraktionschef Ernst Prüsse, der die Verantwortung von der Politik zurück auf die Bürger abwälzen und parallel mit den Kommunalwahlen im Juni 2009 in einem Ratsbürgerentscheid ermitteln will, ob es in der Dortmunder Bevölkerung eine Mehrheit für den Ausbau des Flughafens gibt.

Inzwischen hängt der Patient Flughafen nicht nur am Tropf (siehe „Konzern Stadt" auf dieser Seite), sondern droht zu verenden. Zu viele Probleme haben sich angesammelt:

  • Die restriktiven Start- und Landezeiten machen den Flugbetrieb der Airlines von und nach Dortmund unwirtschaftlich; nach dem Totalabzug der Lufthansa und dem Teilabflug von zuerst Airberlin und nun Easyjet denken auch andere Gesellschaften über Einschränkungen ihres Dortmunder Flugplanes nach.

  • Die Verteuerung des Flugbetriebs hat die Philosophie der Billigflieger insgesamt infrage gestellt: Nicht nur in Dortmund, sondern auch anderenorts kann niemand mehr für 19 Euro oder noch weniger Geld irgendwohin nach Europa fliegen; die Zuschläge machen nicht selten das Dreifache des eigentlichen Flugpreises aus und halten Schnäppchenflieger am Boden.

  • Die EU-Wettbewerbshüter haben das 2009 ohnehin auslaufende Förderprogramm Neres unter der Lupe und wollen möglicherweise auch den Flughafen Dortmund rückbelasten; Quersubventionen, wie sie die Stadtwerke (DSW21) jährlich leisten, sind dann nicht mehr zulässig, außerdem würden sog. Marketingzuschüsse, die auch vom Dortmunder Airport pro Passagier an die Airlines überwiesen werden, wegfallen. Die entstehenden Mehrkosten würden sich bei jeder Buchung niederschlagen.

  • Easyjet hat seinen Teilabzug damit begründet, „das Marktumfeld Dortmund ist nicht so gut wie erwartet". Mit anderen Worten: Die Maschinen haben nicht die Auslastung, die einen wirtschaftlichen Flugbetrieb ermöglichen - eine Erkenntnis, die sich in allen Untersuchungen zur Kaufkraft und anderen Rankings bestätigt.

So komplex waren die Probleme nicht, als sich die Politik für eine progressive Entwicklung des Flughafens hätte entscheiden müssen. Nunmehr ist es schwer geworden, trotz der Misere für eine Lockerung der Start- und Landezeiten und vor allem für den unabdingbaren Ausbau mit Kosten von mindestens weiteren 130 Millionen Euro zu stimmen. Solche Entscheidungen sind in einer Stadt, die mit Gesamtschulden von fast 2 Milliarden Euro insgesamt kaum noch lebensfähig ist, nur schwer zu verkaufen.

Und trotzdem ist es die einzige Möglichkeit, die Schrecken ohne Ende gegen eine Perspektive zu tauschen: Wenn der Flughafen nicht tatsächlich zu einer Investitionsruine (mit weiterlaufenden Kosten) werden soll, muss die Politik den Mut aufbringen, sich für verlängerte Start- und Landezeiten und einen sinnvollen Ausbau zu entscheiden. Und zwar nicht erst nach den Kommunalwahlen 2009, sondern sofort. Auch wenn der sog. Dortmunder Konsens der Stadt in den vergangenen Jahrzehnten mehr Schaden als Vorteile gebracht hat, diesmal ist er unerlässlich. Oder Dortmund wird für Investoren und Bürger ebenso wie als Oberzentrum einer Region noch uninteressanter.

Das Bürgerforum Phoenix fordert deshalb: Progression statt Provinzialität und Mut statt Feigheit vor dem Bürger.


19. Mai 2012
Wahre Worte

"Redliches Denken und verständliches Sprechen sind die Grundinstrumente guter Kommunalpolitik."

Christian Schramm (*1952), dt. Politiker