| Der Rückzug des Billigfliegers Easyjet vom Dortmunder Airport, der 2001 vollmundig als "Startbahn Ruhrgebiet" gestartet ist, könnte der Anfang vom Ende sein - wenn die Politik nicht endlich den Mut zu einer Entscheidung über die Parteien hinweg aufbringt. Nach der Bahnhofspleite würde die Stadt noch tiefer in die Provinzialität versinken. Die Politik hat zwar den Flughafen gewollt, sich dann aber
geduckt: Bis heute haben sich alle Parteien vor einer Entscheidung für den
Ausbau gedrückt, weil sie um Wählerstimmen fürchten - bis hin zu der feigen
Idee von SPD-Fraktionschef Ernst Prüsse, der die Verantwortung von der Politik
zurück auf die Bürger abwälzen und parallel mit den Kommunalwahlen im Juni 2009
in einem Ratsbürgerentscheid ermitteln will, ob es in der Dortmunder
Bevölkerung eine Mehrheit für den Ausbau des Flughafens gibt.
Inzwischen hängt der Patient Flughafen nicht nur am Tropf
(siehe „Konzern Stadt" auf dieser Seite), sondern droht zu verenden. Zu viele
Probleme haben sich angesammelt:
- Die restriktiven Start- und Landezeiten machen den
Flugbetrieb der Airlines von und nach Dortmund unwirtschaftlich; nach dem
Totalabzug der Lufthansa und dem Teilabflug von zuerst Airberlin und nun
Easyjet denken auch andere Gesellschaften über Einschränkungen ihres Dortmunder
Flugplanes nach.
- Die Verteuerung des Flugbetriebs hat die Philosophie der
Billigflieger insgesamt infrage gestellt: Nicht nur in Dortmund, sondern auch
anderenorts kann niemand mehr für 19 Euro oder noch weniger Geld irgendwohin
nach Europa fliegen; die Zuschläge machen nicht selten das Dreifache des
eigentlichen Flugpreises aus und halten Schnäppchenflieger am Boden.
- Die EU-Wettbewerbshüter haben das 2009 ohnehin auslaufende
Förderprogramm Neres unter der Lupe und wollen möglicherweise auch den
Flughafen Dortmund rückbelasten; Quersubventionen, wie sie die Stadtwerke (DSW21)
jährlich leisten, sind dann nicht mehr zulässig, außerdem würden sog.
Marketingzuschüsse, die auch vom Dortmunder Airport pro Passagier an die
Airlines überwiesen werden, wegfallen. Die entstehenden Mehrkosten würden sich
bei jeder Buchung niederschlagen.
- Easyjet hat seinen Teilabzug damit begründet, „das Marktumfeld
Dortmund ist nicht so gut wie erwartet". Mit anderen Worten: Die Maschinen
haben nicht die Auslastung, die einen wirtschaftlichen Flugbetrieb ermöglichen
- eine Erkenntnis, die sich in allen Untersuchungen zur Kaufkraft und anderen
Rankings bestätigt.
So komplex waren die Probleme nicht, als sich die Politik
für eine progressive Entwicklung des Flughafens hätte entscheiden müssen.
Nunmehr ist es schwer geworden, trotz der Misere für eine Lockerung der Start-
und Landezeiten und vor allem für den unabdingbaren Ausbau mit Kosten von
mindestens weiteren 130 Millionen Euro zu stimmen. Solche Entscheidungen sind
in einer Stadt, die mit Gesamtschulden von fast 2 Milliarden Euro
insgesamt kaum noch lebensfähig ist, nur schwer zu verkaufen.
Und trotzdem ist es die einzige Möglichkeit, die Schrecken
ohne Ende gegen eine Perspektive zu tauschen: Wenn der Flughafen nicht
tatsächlich zu einer Investitionsruine (mit weiterlaufenden Kosten) werden
soll, muss die Politik den Mut aufbringen, sich für verlängerte Start- und
Landezeiten und einen sinnvollen Ausbau zu entscheiden. Und zwar nicht erst
nach den Kommunalwahlen 2009, sondern sofort. Auch wenn der sog. Dortmunder
Konsens der Stadt in den vergangenen Jahrzehnten mehr Schaden als Vorteile
gebracht hat, diesmal ist er unerlässlich. Oder Dortmund wird für Investoren
und Bürger ebenso wie als Oberzentrum einer Region noch uninteressanter.
Das Bürgerforum Phoenix fordert deshalb: Progression statt
Provinzialität und Mut statt Feigheit vor dem Bürger. |