| Der Plan, die Stadt Dortmund möge sich über ihre 100-prozentige Tochter Dortmunder Stadtwerke (DSW21) an der Übernahme des RWE-Aktienpakets, das die WestLB zum Verkauf stellen will, beteiligen, wirft eine Reihe von gravierenden Fragen auf. Der noch bis September 2009 amtierende Oberbürgermeister Gerhard Langemeyer käme bei einem solchen Geschäft in erhebliche Gewissenskonflikte. Die Fakten vorweg: Die Westdeutsche Landesbank (WestLB) will
sich zur Überwindung der Finanzkrise von ihren 2,9 Millionen RWE-Titeln im
Börsenwert von ca. 157 Millionen Euro trennen. Als Käufer sind die DSW21 (102,9
Milllionen Euro), der Landschaftsverband Westfalen (27,5) und der
Hochsauerlandkreis (26,5) im Gespräch. Der Energiereise RWE ist an einem
solchen Transfer interessiert, weil er damit den Schutzwall erhalten könnte,
der eine unfreundliche Übernahme des
Essener Konzerns verhindert. Die WestLB hat ihre Aktien derzeit mit einigen
Kommunen in einer Holding gebündelt, die das Aktienpaket zu einem sog.
Strategischen Investment macht und zur Befreiung von der Gewerbesteuer in Höhe
- wie das „Handelsblatt" schreibt - eines jährlich zweistelligen
Millionenbetrages führt.
Die Übernahme eines Teils der RWE-Aktien aus dem
WestLB-Besitz wäre mit erheblichen Risiken für die Stadt Dortmund und die DSW21
verbunden:
- DSW21-Chef Guntram Pehlke müsste den Kauf über einen
Kredit ermöglichen, wobei er davon ausgeht, diesen Kredit über die von RWE
gezahlte Dividende zu finanzieren (zuletzt 4,50 Euro pro Aktie).
- Mit einer Dividende in dieser Höhe ist jedoch dauerhaft
auf Grund zahlreicher Unwägbarkeiten nicht zu rechnen. So hat
RWE-Vorstandsvorsitzender Jürgen Grossmann auf der diesjährigen Hauptversammlung
deutlich gewarnt: „CO2-Zertifikate werden der deutschen
Energiewirtschaft ab 2013 nicht mehr kostenlos zugeteilt, sondern vollständig
versteigert. Dadurch gehen Milliarden Euro an Cash Flow verloren, die wir für
Investitionen in Deutschland gut gebrauchen könnten."
Die DSW21, die sich bereits bei der Übernahme von
Gelsenwasser in Finanzspekulationen eingelassen hat und deren Ertrag in den letzten
Jahren erheblich gesunken ist, könnte sich mit dem Kauf der zusätzlichen
RWE-Aktien verschlucken und dann möglicherweise nicht mehr den Verpflichtungen
nachkommen, die sie gegenüber der Stadt Dortmund eingegangen ist (Nahverkehr,
Flughafen usw.). Letztendlich müsste sie die Dortmunder Bürger zum Ausgleich
von Verlusten über ihre Töchter DEW21 und Dortmunder Entsorgung (EDG) zur Kasse
bitten.
Höchst problematisch ist der geplante Transfer für den noch
amtierenden Oberbürgermeister Gerhard Langemeyer. Als Aufsichtsratsmitglied von
RWE (er erhielt zuletzt für sein Mandat 209.000 Euro und will auch nach seinem
Ausscheiden aus dem Amt im Aufsichtsrat des Essener Konzerns bleiben) muss er
darauf bedacht sein, dass sich die DSW21 trotz aller Risiken an der Übernahme
der RWE-Aktien aus dem WestLB-Paket beteiligen, um den Schutzwall vor einer unfreundlichen
Übernahme zu erhalten. Da er aber gleichzeitig Mitglied des Aufsichtsrates der
WestLB ist, muss er sich für einen Verkauf der Aktien an die DSW21 zum Höchstpreis einsetzen.
Weil Langemeyer an seinen einträglichen Aufsichtsratsmandaten
klebt und der Meinung ist, er sei nicht qua Amt, sondern auf Grund seiner hohen
Sachkenntnis in diese Ämter gewählt worden, stellt sich die Frage: Darf er
zusehen oder sogar befürworten, was für die Stadt Dortmund bzw. deren Töchter
und letztendlich für die Bürger der Stadt zu einem Generationsrisiko werden
könnte?
Das Bürgerforum Phoenix meint: Bekennen Sie Farbe, Herr
Langemeyer - und zwar für die Stadt Dortmund, deren Oberbürgermeister Sie noch
sind! |