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Konzern Stadt Dortmund > Konzern Stadt > Milchkuehe mucken auf
  Dortmund, 26.06.2008
  Milchkühe mucken auf
  Die Dortmunder Stadtwerke (DSW21) und die Entsorgung Dortmund GmbH (EDG) mucken auf. Die beiden Unternehmen, die unmittelbar oder mittelbar 100-prozentig zum Konzern Stadt gehören, wollen nicht mehr bedingungslos Schecks unterschreiben, sobald die rot-grüne Koalition angesichts der Haushaltsmisere um finanzielle Hilfe verlangt.

DSW21-Vorstand Guntram Pehlke sagte nein, als es darum ging, jene rund 11 Millionen Euro zu übernehmen, die mit der Einführung des monatlichen 15-Euro-Sozialtickets verbunden sind, EDG-Chef Karl-Joachim Neuhaus erklärte sich zwar zähneknirschend bereit, insgesamt 9,5 Millionen Euro als Vorab-Gewinnausschüttung für die Jahre 2008 und 2009 zur Rettung des Klinikums zu überweisen, machte jedoch klar, dass die Stadt mit noch mehr Geld nicht rechnen kann. Und noch klarer: Schon gar nicht wollen DSW21 und EDG Gesellschafter des Klinikums werden.

In der „Westfälischen Rundschau" kommentierte Frank Fligge: „Über Jahre hinweg dienten die Stadtwerke als Entwicklungshelfer. Um Großprojekte, die die Stadt allein niemals hätte stemmen können, doch zu realisieren (Stadtkrone-Ost, Phoenix-See, Hohenbuschei) wurden kurzerhand DSW-Töchter gegründet. Und als das Klinikum endlich so marode war, dass gar nichts mehr geht, mussten DSW und EDG mit einer Finanzspritze aushelfen. Doch genau an dem Punkt zog Pehlke die Notbremse. Das Klinikum in den Konzern integrieren - wie von Rot-Grün angedacht - ohne ihn. Recht so. Denn der Stadtwerke-Konzern ist nicht die Heilsarmee und Pehlke nicht der Entwicklungshilfe-Minister."

Die Stadtwerke, einst kraftstrotzende Milchkuh der Stadt, sind inzwischen so ausgemolken, dass sie sich um sich selbst kümmern müssen. Der Umsatz stagniert bei rund 92 Millionen Euro, der Gewinn lag 2007 nur noch bei mageren 2,5 Millionen Euro. Das könnte so oder so zu Problemen führen: Erhöhen die Stadtwerke oder ihre Töchter die Gebühren, gibt es einen Aufschrei in der Bevölkerung, tun sie es nicht, sind notwendige Investitionen und damit der Werterhalt des Unternehmens nicht mehr gesichert. Eine Pattsituation, in der den Bossen der städtischen Unternehmen das Hemd näher ist als die Hose. Mit anderen Worten: Sie treten auf die Bremse, wenn die rot-grüne Koalition sie wieder einmal zur Kasse bitten will.

Das ist zum Beispiel bei dem Langemeyer-Phantomprojekt Phoenix-See geschehen. Die Stadtwerke fungieren als Projektentwickler, die Kosten sind jedoch bei 186 Millionen Euro gedeckelt. Die Mehrkosten muss die Stadt Dortmund selbst übernehmen. Hingegen bleibt der Flughafen - mit aktuell 19,9 Millionen Euro im Minus (2007) - für die Stadtwerke ein dauerhaftes Sorgenkind ersten Ranges. Der stark reduzierte Flugplan von Easyjet führt schon in diesem Herbst zu einer weiteren Zunahme der Verluste. Das könnte schnell auf die Bilanz der Stadtwerke durchschlagen.


19. Mai 2012
Wahre Worte

"Eine Regierung ist so schlecht, wie die Bürger es zulassen, und so gut, wie die Bürger es erzwingen."

Pierre Salinger (1925-2004), US-amerikan. Journalist