| Die Dortmunder Stadtwerke (DSW21) und die Entsorgung Dortmund GmbH (EDG) mucken auf. Die beiden Unternehmen, die unmittelbar oder mittelbar 100-prozentig zum Konzern Stadt gehören, wollen nicht mehr bedingungslos Schecks unterschreiben, sobald die rot-grüne Koalition angesichts der Haushaltsmisere um finanzielle Hilfe verlangt. DSW21-Vorstand Guntram Pehlke sagte nein, als es darum ging,
jene rund 11 Millionen Euro zu übernehmen, die mit der Einführung des
monatlichen 15-Euro-Sozialtickets verbunden sind, EDG-Chef Karl-Joachim Neuhaus
erklärte sich zwar zähneknirschend bereit, insgesamt 9,5 Millionen Euro als
Vorab-Gewinnausschüttung für die Jahre 2008 und 2009 zur Rettung des Klinikums zu überweisen, machte jedoch klar, dass die Stadt mit noch mehr Geld nicht
rechnen kann. Und noch klarer: Schon gar nicht wollen DSW21 und EDG Gesellschafter
des Klinikums werden.
In der „Westfälischen Rundschau" kommentierte Frank Fligge:
„Über Jahre hinweg dienten die Stadtwerke als Entwicklungshelfer. Um
Großprojekte, die die Stadt allein niemals hätte stemmen können, doch zu
realisieren (Stadtkrone-Ost, Phoenix-See, Hohenbuschei) wurden kurzerhand
DSW-Töchter gegründet. Und als das Klinikum endlich so marode war, dass gar
nichts mehr geht, mussten DSW und EDG mit einer Finanzspritze aushelfen. Doch
genau an dem Punkt zog Pehlke die Notbremse. Das Klinikum in den Konzern
integrieren - wie von Rot-Grün angedacht - ohne ihn. Recht so. Denn der
Stadtwerke-Konzern ist nicht die Heilsarmee und Pehlke nicht der
Entwicklungshilfe-Minister."
Die Stadtwerke, einst kraftstrotzende Milchkuh der Stadt,
sind inzwischen so ausgemolken, dass sie sich um sich selbst kümmern müssen.
Der Umsatz stagniert bei rund 92 Millionen Euro, der Gewinn lag 2007 nur noch
bei mageren 2,5 Millionen Euro. Das könnte so oder so zu Problemen führen:
Erhöhen die Stadtwerke oder ihre Töchter die Gebühren, gibt es einen Aufschrei
in der Bevölkerung, tun sie es nicht, sind notwendige Investitionen und damit
der Werterhalt des Unternehmens nicht mehr gesichert. Eine Pattsituation, in
der den Bossen der städtischen Unternehmen das Hemd näher ist als die Hose. Mit
anderen Worten: Sie treten auf die Bremse, wenn die rot-grüne Koalition sie
wieder einmal zur Kasse bitten will.
Das ist zum Beispiel bei dem Langemeyer-Phantomprojekt
Phoenix-See geschehen. Die Stadtwerke fungieren als Projektentwickler, die
Kosten sind jedoch bei 186 Millionen Euro gedeckelt. Die Mehrkosten muss die
Stadt Dortmund selbst übernehmen. Hingegen bleibt der Flughafen - mit aktuell
19,9 Millionen Euro im Minus (2007) - für die Stadtwerke ein dauerhaftes
Sorgenkind ersten Ranges. Der stark reduzierte Flugplan von Easyjet führt schon
in diesem Herbst zu einer weiteren Zunahme der Verluste. Das könnte schnell auf
die Bilanz der Stadtwerke durchschlagen. |