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Konzern Stadt Dortmund > Konzern Stadt > Milchkühe geben weniger Milch
  Dortmund, 12.09.2008
  Die Milchkühe der Stadt geben weniger Milch
  302 Seiten brauchte die Stadt Dortmund in diesem Jahr, um in ihrem "Beteiligungsbericht 2007/2008" Wohl und Wehe aller 110 Unternehmen darzustellen, die ihr zu 100% gehören oder an denen sie direkt oder indirekt beteiligt ist. Dargestellt wird ein kaum entwirrbares Geflecht von Firmen, das in der Marktwirtschaft mit seinem immensen Personalaufwand von 20 000 Mitarbeitern kaum eine Überlebenschance hätte (siehe Menüfeld "Konzern Stadt Dortmund", Untermenü "Übersicht").

Viele Unternehmen müssten sofort liquidiert werden, wenn sie nicht Aufträge von anderen Konzernunternehmen erhielten und/oder bezuschusst würden. Der Konzern wächst jedoch immer weiter, weil die bestimmenden Politiker ihre Macht außerhalb des Rates ausbauen wollen und zugleich wohlmeinenden Parteimitgliedern gut dotierte Positionen in diesen Unternehmen anbieten können. Die Konsequenz daraus ist ein Gemisch von persönlichen wirtschaftlichen und politischen Interessen, von denen immer die Beteiligten, aber nur selten die Bürger der Stadt profitieren - auch wenn das die ursprüngliche Idee der städtischen Unternehmen gewesen ist.

Doch die goldenen Zeiten, in denen der Moloch Konzern Stadt unabhängig von der Frage gewachsen ist, ob er damit privaten Unternehmern der Stadt die Butter vom Brot genommen hat, nähern sich ganz offenbar dem Ende. Von den 38 Unternehmen, die im Berichtszeitraum mehr als 10 Millionen Euro Umsatz gemacht haben, mussten 14 Firmen Umsatzrückgänge und 15 Firmen Gewinneinbußen hinnehmen. Herausstechend: Die Dortmunder Stadtwerke DSW21 haben in 2007 zwar nur 0,87% weniger Umsatz erzielt, aber ihr Gewinn ist von 2,5 auf 1,4 Millionen Euro - also um 44% - gesunken. Dick und fett präsentieren sich weiterhin die DEW21 (Umsatz +14,50%, Gewinn +12,84%) und die DOGEWO21 (+4,23, +13,32). Größte Sorgenkinder sind das Klinikum (+0,67%, -21,64%) und der Flughafen, der im Jahr 2007 19,6 Millionen Euro Verluste eingefahren hat.

Kein Wunder, dass die umsatzstarken Unternehmen nicht mehr bedingungslos bereit sind, Löcher im Haushalt zu stopfen oder widerspruchslos auszuführen, was ihnen die Politik diktiert. Das hat sich zuletzt beim Kampf um die wirtschaftliche Erhaltung des Klinikums und bei der Finanzierung des Sozialtickets gezeigt, als DSW21 bzw. DSW 21 und die Entsorgung Dortmund (EDG) nicht mehr bereit waren, für die Probleme der Politik gerade zu stehen.

Die Gewinnrückgänge schlagen sich aber auch insgesamt im Haushalt der Stadt nieder, der ohnehin „auf Kante genäht" ist. In Arnsberg wird man deshalb Haushalt und Beteiligungsbericht sehr genau abgleichen.


19. Mai 2012
Wahre Worte

"Unter Politik verstehen manche Leute die Kunst, Brände zu löschen, die sie selbst gelegt haben."

Lawrence Durrell (1912-1990), brit. Schriftsteller